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Codex-Resets waren ein PR-Stunt. Das Problem war echt

OpenAI setzte Codex-Limits fünfmal in zehn Tagen zurück, während Sol sie schneller leerte als erwartet. Für mich waren die Gratis-Resets eine Nebelkerze.

Auf dieser Seite
  1. Hat OpenAI die Banked Resets entfernt? Ich fand keine Belege
  2. Warum setzte OpenAI Codex-Limits zurück? Nutzerwachstum
  3. Warum verbrauchte Sol die Codex-Limits so schnell?
  4. Vier Codex-Änderungen machten das Problem schwerer sichtbar
    1. Die Fünf-Stunden-Grenze verschwand
    2. Sols Kontextfenster in Codex schrumpfte um 100.000 Tokens
    3. Preisliste und Nutzerzahlen zeigten die Änderung nicht
  5. Lässt sich mit demselben Codex-Kontingent weniger erledigen? Ja
  6. Haben die Codex-Resets Sols Verbrauchsproblem verdeckt? Praktisch ja
  7. Richtete sich die Codex-Reset-Kampagne gegen Claude? Anfangs nicht
  8. Welche Belege würden den Streit um Codex-Nutzung entscheiden?

GPT-5.6 Sol leerte die Codex-Limits schneller, als OpenAI erwartet hatte [1]. Gleichzeitig setzte OpenAI die Kontingente zahlender Nutzer innerhalb von zehn Tagen fünfmal zurück. Für mich waren diese Resets ein PR-Stunt, der zur Nebelkerze wurde, weil dadurch genau die ununterbrochenen Wochenvergleiche fehlten, mit denen sich das eigentliche Problem hätte messen lassen.

Hat OpenAI die Banked Resets entfernt? Ich fand keine Belege

Ich fand keine Belege dafür, dass OpenAI die Banked Resets entfernt hat. Die Behauptung begann mit Reddit-Berichten über verschwundene Resets [2]. OpenAIs Hilfe-Center erklärt aber weiterhin, wie man einen einlöst [3], und die Empfehlungsbedingungen decken die Funktion ebenfalls weiter ab [4]. Mehrere Nutzer sahen ihre Resets zudem binnen Stunden wieder.

Der Bericht, der diesen Artikel ausgelöst hat, stammt von einem Nutzer mit zwei Banked Resets, die am 12. und 13. August 2026 abliefen. Die Option zum Einlösen war aus der Oberfläche verschwunden. Weder ein App-Update noch Ab- und wieder Anmelden brachten sie zurück. Eine Antwort schilderte einen größeren Verlust samt Support-Gespräch: „Mir haben sie 3 weggenommen. Ich hatte 2 angespart, die am 11. August ablaufen sollten, und 1 am 12. Ich habe sogar den Support kontaktiert, und der Mitarbeiter hat bestätigt, dass in meinem Konto keiner mehr war“ [5].

Weiter unten im Thread löst sich das eindeutige Muster jedoch auf. Andere Nutzer hatten ihre Resets noch [6], während manche einen Reset sahen, beim Einlösen aber eine Fehlermeldung bekamen [7]. Das ist ein anderer Fehler als der Entzug der Leistung.

Den klarsten Vergleich lieferte ein Nutzer mit zwei Konten. Auf einem Konto verschwand der Reset und kehrte nach erneutem Anmelden zurück. Dieses Konto war am selben Tag zuvor auch global auf 100 % zurückgesetzt worden und hatte ein neues wöchentliches Datum erhalten. Das zweite Konto hatte keinen globalen Reset bekommen und behielt seinen Banked Reset [8].

Andere Nutzer berichteten, dass ihre Resets ohne eigenes Zutun zurückkehrten [9]. Ein separater Thread, der vier Minuten vor dem Hauptbeitrag erschien, beschreibt außerdem, dass die Ansicht die Credits nicht laden konnte, statt null davon anzuzeigen [10].

All das geschah innerhalb von etwa drei Stunden. Wenn ein Anbieter eine bezahlte Leistung bewusst entzieht, kehrt sie normalerweise nicht bei einzelnen Konten von selbst zurück, während ein Support-Mitarbeiter einem anderen Kunden laut dessen Zitat schreibt: „Wir dürfen nicht offenlegen, warum wir Resets hinzufügen oder entfernen“ [11].

Auch die andere verbreitete Erklärung passt nicht zum zeitlichen Ablauf. OpenAIs Statusseite verzeichnet an jenem Morgen einen ChatGPT-Vorfall mit dem Titel „Increased errors for some ChatGPT users“, der um 07:21 UTC begann und um 08:09 UTC behoben war [12]. Der erste Reset-Bericht erschien um 08:44 UTC [10], rund 35 Minuten nach der Entwarnung, und weitere Meldungen kamen bis nach 11:00 Uhr. Die Statusmeldung war also beendet, bevor die Berichte begannen, und erwähnte weder Resets noch Nutzungslimits.

Ein Changelog-Eintrag, eine Änderung im Hilfe-Center oder die von den Empfehlungsbedingungen versprochenen 30 Tage Vorlauf würden dieses Urteil ändern [4]. Bis dahin ist ein Produktfehler die genaueste Beschreibung, nicht der bestätigte Entzug einer Leistung.

Warum setzte OpenAI Codex-Limits zurück? Nutzerwachstum

OpenAI verknüpfte die Codex-Resets direkt mit dem Nutzerwachstum. Deshalb nenne ich sie einen PR-Stunt.

Sam Altman schrieb am 7. April 2026: „Um drei Millionen wöchentliche Codex-Nutzer zu feiern, setzen wir die Nutzungslimits zurück. Das tun wir für jede weitere Million Nutzer, bis zehn Millionen“ [13]. Zwei Tage später behandelte Tibo das Versprechen bereits wie eine laufende Ausgabe: „Beim derzeitigen Wachstumstempo von Codex werden wir euch in weniger als zwei Wochen schon den nächsten Reset schulden“ [14]. Der Vier-Millionen-Reset folgte am 21. April 2026 [15].

Die Möglichkeit zum Ansparen kam am 11. Juni 2026 hinzu, und OpenAIs Changelog beschreibt sie ohne große Umwege als Nutzerakquise: „Rate-Limit-Reset-Banking für Plus- und Pro-Nutzer hinzugefügt, darunter ein kostenloser Reset zum Start und Einladungen, um während der laufenden Aktion weitere zu verdienen“ [16]. Das Empfehlungsangebot lief vom 11. bis 24. Juni 2026 und belohnte beide Seiten. Laut OpenAIs Preisseite bekommen beide Konten einen Banked Reset, sobald die eingeladene Person ihre erste Codex-Nachricht sendet [17]. OpenAI bezahlte neue Nutzer mit Rechenleistung statt mit Rabatten. Das ist für ein Unternehmen mit eigener Kapazität günstiger und wirkt großzügiger als ein Gutschein.

Dann kam der Juli 2026. OpenAI brachte GPT-5.6 am 9. Juli 2026 mit Sol als Spitzenmodell heraus [18], gleichzeitig startete ChatGPT Work. Der Meilenstein-Zähler lief schnell genug, um fünf Resets in zehn Tagen auszulösen: sechs Millionen am 12. Juli 2026 [19], sieben Millionen am 13. Juli 2026 [20], acht Millionen am 14. Juli 2026 [21], neun Millionen am 16. Juli 2026 [22] und zehn Millionen am 21. Juli 2026 [23].

Bei dieser Folge ist ein Detail wichtig. Ab sechs Millionen zählte die Zahl Codex und ChatGPT Work gemeinsam. ChatGPT Work war erst drei Tage alt, als der Beitrag zu den sechs Millionen erschien. Damit hatte sich stillschweigend geändert, was die Zahl überhaupt erfasste.

Die Reihenfolge ist entscheidend: OpenAI versprach zuerst Belohnungen für Wachstum, brachte dann ein verbrauchsintensiveres Modell heraus und räumte das Nutzungsproblem erst ein, nachdem der Reset zum Zehn-Millionen-Meilenstein verteilt war.

  1. Das Versprechen

    Altman: ein Reset pro Million Codex-Nutzer, bis zu zehn Millionen.

  2. Resets zum Ansparen

    Banked Resets starten als Empfehlungsprämie für Plus und Pro.

  3. GPT-5.6 Sol

    Sol wird zum Spitzenmodell in Codex.

  4. Fünf Resets in zehn Tagen

    Das Fünf-Stunden-Limit fällt weg, die Meilensteine sechs bis zehn Millionen folgen.

  5. Das Eingeständnis

    Sol verbrauchte Limits schneller als erwartet; das Kontingent soll 18 % länger reichen.

  6. Banked Resets fallen aus

    Fehlende Resets werden gemeldet, einige kehren binnen Stunden zurück.

Abbildung 1. Vom ersten Meilenstein-Versprechen bis zum Ausfall der Resets, April bis August 2026.

Warum verbrauchte Sol die Codex-Limits so schnell?

Sol verbrauchte die Limits schneller, weil eine Codex-Aufgabe mehr kostet, wenn das Modell mehr Arbeit erledigt, auch wenn der Preis pro Token gleich bleibt.

Sol und GPT-5.5 rechnen exakt dieselben Credits pro Token ab [17], der Wechsel zu Sol sieht auf der Preisliste also kostenlos aus. Sol kann aber länger arbeiten, mehr Tools aufrufen und mehr vom Repository lesen. Jeder dieser Schritte wird abgerechnet.

Tibo bestätigte den Effekt am 29. Juli: „In den vergangenen Wochen habt ihr uns oft gesagt, dass Sol eure Codex-Limits schneller verbraucht als erwartet.“ Er ergänzte, „manche Probleme werden erst sichtbar, wenn Menschen das Modell im echten Maßstab nutzen. Wir hätten das früher erkennen und offener damit umgehen müssen“ [1].

Die Preisliste erklärt, warum Nutzer diesen Unterschied nicht vorhersagen konnten. Sol und GPT-5.5 kosten beide 125 Credits pro Million Input-Tokens, 12,5 für gecachten Input und 750 für Output [17]. Dieselbe Seite erklärt aber auch, dass Modellwahl, Kontext, Reasoning, Tool-Nutzung, Retrieval und Caching den Verbrauch beeinflussen. Die Prompt-Länge ist deshalb keine verlässliche Schätzung. Ähnlich aussehende Aufgaben können unterschiedlich viel vom Kontingent verbrauchen [17]. OpenAIs eigener Durchschnittswert liegt je nach GPT-5.6-Nachricht zwischen 5 und 40 Credits, eine Spanne von fast einer Größenordnung [17].

Sols Verhalten liegt am teuren Ende dieser Spanne, und genau darauf war ich selbst schon gestoßen. In einem früheren Text über Sols Overengineering habe ich ein Modell beschrieben, das weiterarbeitet, obwohl die Aufgabe längst gelöst ist, und das zusätzlich an Subagenten delegiert, was OpenAIs eigene Dokumentation als teuer kennzeichnet: „Subagenten-Workflows verbrauchen mehr Tokens als vergleichbare Läufe mit einem einzelnen Agenten“ [24]. Ein Modell, das pro Anweisung mehr Arbeit erledigt, ist pro Anweisung teurer, auch wenn sich der Preis pro Token nie ändert.

Vier Codex-Änderungen machten das Problem schwerer sichtbar

Rund um Sols Start kamen vier Änderungen zusammen: Die Fünf-Stunden-Grenze verschwand, das Kontextfenster schrumpfte, die Preisliste blieb gleich und die Nutzerzahl änderte ihre Grundlage. Gemeinsam machten sie das Verbrauchsproblem schwerer erkennbar.

Die Fünf-Stunden-Grenze verschwand

Drei Tage nach Sols Start kündigte Tibo zusammen mit dem Sechs-Millionen-Meilenstein an: „Wir entfernen vorübergehend die Beschränkung durch das 5-Stunden-Nutzungslimit für alle Plus-, Business- und Pro-Pläne“ [19]. Dieses Fenster verhindert, dass ein Wochenkontingent an einem einzigen Nachmittag aufgebraucht wird. Die Grenze in der Startwoche zu entfernen, ließ das Produkt unbeschränkt wirken. Gleichzeitig konnte ein Modell mit höherem Verbrauch pro Aufgabe den Wochenvorrat nun viel schneller leeren. Am 14. Juli 2026 stellte Tibo das noch als Vorzug dar und schrieb, Nutzer könnten „die Grenzen von GPT-5.6 Sol ausloten und herausfinden, wie ehrgeizig ihr sein könnt“ [21].

Sottiaux kündigte am 29. Juli 2026 an, dass die Grenze zurückkehren werde, verschob die Änderung dann aber. Für Plus trat sie schließlich am 26. August 2026 in Kraft, während die Pro-Abos für 100 und 200 Dollar ausgenommen blieben [1] [37]. Am 27. August 2026 dokumentierte OpenAIs Preisseite das Fünf-Stunden-Fenster und formulierte zum Wochenlimit vorsichtig: „Die Nutzungslimits für lokale Nachrichten und Cloud-Chats teilen sich ein Fünf-Stunden-Fenster. Zusätzliche wöchentliche Limits können gelten“ [17].

Sols Kontextfenster in Codex schrumpfte um 100.000 Tokens

OpenAIs Ankündigung zum Kontextfenster machte die Kürzung besonders leicht zu übersehen. Am 13. Juli 2026 begann Tibo ein Update für Nutzer von Codex und ChatGPT Work mit „Kein Nerfing, nur gute Sachen“ und erklärte dann, OpenAI habe Sols Kontextlimit von 372.000 auf 272.000 Tokens zurückgesetzt, weil für das größere Fenster mehr Nutzung als beabsichtigt abgerechnet worden war [25].

Ein GitHub-Issue vom 21. Juli 2026 stellt die tatsächlich nutzbaren Werte gegenüber: 353.400 Tokens zum Start und 258.400 nach der Änderung des Serverprofils [26]. Das sind 95.000 nutzbare Tokens weniger, also rund 27 %. OpenAIs Changelog erfasste 272.000 am 18. Juli 2026 als Korrektur [16]. Bis zum 1. September 2026 war die versprochene Rückkehr nicht erfolgt, während dasselbe Modell über die API weiterhin 1.050.000 Tokens annahm [27].

Weniger Kontext ist nicht bloß eine kleinere Zahl im Datenblatt. Ein kürzeres Fenster sorgt dafür, dass ein langer Codex-Thread früher komprimiert wird. Das Modell liest dadurch bereits gelesene Dateien erneut und stellt frühere Entscheidungen wieder her. Jeder dieser Schritte wird abgerechnet. In der Praxis kann ein kleineres Kontextfenster den Verbrauch pro Gespräch senken, aber gleichzeitig die Zahl der nötigen Gespräche für eine große Aufgabe erhöhen.

Preisliste und Nutzerzahlen zeigten die Änderung nicht

Die Preisliste blieb gleich, während die Wachstumszahl genau zu Beginn der schnellen Reset-Folge plötzlich zwei Produkte umfasste. Keine der beiden Änderungen ist für sich verdächtig. Zusammen mit der fehlenden Fünf-Stunden-Grenze und dem kleineren Kontextfenster sahen Nutzer jedoch eine Verbrauchsanzeige, eine Preisliste und Meilenstein-Beiträge, die nicht verrieten, wie viel Arbeit eine Aufgabe tatsächlich kostete.

längere typische Nutzung mit Sol
18 %
OpenAIs Erwartung nach den Korrekturen im Juli 2026
Tokens Kontext in Codex
272.000
am 13. Juli 2026 von 372.000 gesenkt
Tokens Kontext über die API
1.050.000
dasselbe Modell, anderes Produkt
Credits pro Nachricht
5-40
OpenAIs eigene Durchschnittsspanne für GPT-5.6

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen dem API-Modell und dem Produkt im Abo. Codex gibt demselben Modell ungefähr ein Viertel seines API-Kontexts und rechnet die Arbeit gegen ein Kontingent ab, dessen durchschnittliche Kosten OpenAI nur als Spanne von 5 bis 40 Credits pro Nachricht angeben kann.

Lässt sich mit demselben Codex-Kontingent weniger erledigen? Ja

Ja. OpenAI ließ die Größe des Kontingents unverändert, aber Sol verbrauchte pro Aufgabe mehr davon. Deshalb ließ sich mit demselben Kontingent weniger Arbeit erledigen.

Am 30. Juli 2026 schrieb das Unternehmen, „die Abo-Preise und die Kontingent-Budgets für ChatGPT und Codex bleiben unverändert“ [28]. Tibo hatte es am Vortag direkter formuliert: „Wir haben die Nutzung in keinem Abo-Plan reduziert“ [1]. Beide Aussagen beschreiben die Größe des Kontingents, nicht den Gegenwert in erledigter Arbeit.

OpenAIs Schätzung von 18 % beantwortet diese engere Frage. Im selben Beitrag vom 29. Juli 2026 hieß es: „Wir erwarten, dass eure Nutzung bei typischer Verwendung von Sol rund 18 % länger reicht“ [1]. Wenn Korrekturen ein unverändertes Budget 18 % länger reichen lassen, brachte dieses Budget vorher weniger Arbeit. OpenAI verkleinerte das Kontingent nicht, aber Nutzer bekamen trotzdem weniger dafür.

Ein kleines Beispiel macht den Effekt greifbar. Angenommen, ein Wochenkontingent deckt mit GPT-5.5 100 Aufgaben ab und dieselbe Aufgabe kostet mit Sol 50 % mehr Credits. Dann reicht das Kontingent noch für etwa 67 Aufgaben. Eine Verbesserung um 18 % erhöht das auf rund 79. Diese Zahlen sind erfunden, aber das Verhältnis zeigt, warum „Wir haben dein Kontingent nicht gekürzt“ und „Ich schaffe pro Woche weniger“ gleichzeitig wahr sein können.

OpenAI veröffentlichte zwei weitere Prozentwerte, die eine andere Frage beantworten. Das Unternehmen schrieb, Sols eigene Kernel-Arbeit habe die Gesamtkosten für das Bereitstellen des Modells um 20 % gesenkt. Experimente hätten die Effizienz der Token-Erzeugung zudem um mehr als 15 % verbessert [28]. Das sind Kosten von OpenAI, nicht das Kontingent des Nutzers.

Dieselbe Ankündigung gab Einsparungen durchaus an Kunden weiter. Sie senkte Lunas API-Preis um 80 %, Terras um 20 % und ließ beide Modelle in Codex weniger Credits verbrauchen. Der Preis von Sol blieb unverändert [28]. Nur die Schätzung von 18 % beschreibt, wie viel länger das Kontingent eines Sol-Nutzers reichen sollte.

Haben die Codex-Resets Sols Verbrauchsproblem verdeckt? Praktisch ja

Praktisch ja. Ein Reset füllt das Kontingent auf, löscht aber zugleich den ununterbrochenen Wochenverlauf, den ein Vergleich zwischen Sol und GPT-5.5 braucht. Dafür benötigt man einen bekannten Startpunkt, eine Modellversion, eine feste Effort-Stufe und keine Auffüllung dazwischen. Fünf Resets zwischen dem 12. und 21. Juli 2026 machten diese Messung fast unmöglich.

Deshalb sind die Reddit-Belege aus jenen Wochen so unbefriedigend zu lesen. Threads füllen sich mit „ich habe 40 % in drei Stunden verbrannt“ direkt neben „ich habe den ganzen Tag 2 % verbraucht“, und nichts bringt die beiden zusammen: andere Modellversionen, andere Effort-Stufen, andere Repositories, andere Cache-Zustände, und bei der Hälfte fällt mittendrin ein Reset. Die Meldungen waren einheitlich genug, dass OpenAI reagiert hat [1]. Präzise genug, um zu beziffern, was sich geändert hatte, waren sie nie, und die Resets sind ein großer Teil des Grundes dafür.

Die Resets schufen außerdem einen Grund zur Eile. Wenn ein globaler Reset für später am selben Tag angekündigt ist, wird es vernünftig, den Rest sofort auszugeben. Die Kampagne machte das zu einem regelmäßigen Ereignis. Der folgende Aktivitätsschub ist für eine Wachstumskampagne nützlich, aber eine schlechte Datengrundlage für jeden, der seinen normalen Verbrauch beobachten will.

Die beiden Reset-Arten sind auch nicht gleich viel wert, und daher rührt die Schärfe der Aufregung vom 10. August. Einen globalen Reset wendet OpenAI auf alle berechtigten Konten an, zu einem Zeitpunkt, den OpenAI wählt, sein Wert hängt also vollständig davon ab, wie viel du zufällig schon verbraucht hattest. Einen Banked Reset löst du selbst ein, deshalb ist er mehr wert und deshalb kannst du ihn verschwenden. Ein Nutzer schilderte genau das: bei 10 % angekommen, mit wöchentlichem Reset am 11. August, löste er seinen letzten Banked Reset ein, OpenAI setzte am selben Tag alle Konten zurück, und sein nächster wöchentlicher Reset rutschte auf den 15. August [29].

Eigenschaft Globaler ResetBanked Reset
Wer ihn auslöst OpenAI Du
Zeitpunkt Minuten bis Stunden vorher angekündigt Wann du willst
Verfällt ungenutzt Nicht zutreffend 30 Tage nach der Gutschrift
Verschiebt das wöchentliche Reset-Datum um etwa sieben Tage Nicht dokumentiert Ja
Kann durch die andere Art wertlos werden Nein Ja
Abbildung 2. Warum Nutzer vor allem die angesparte Variante verfolgen.

Ein Banked Reset ist nützlicher, weil der Nutzer den Zeitpunkt selbst bestimmt. Ein globaler Reset kann diesen Vorteil wenige Stunden später beseitigen, obwohl der eingelöste Banked Reset das wöchentliche Reset-Datum bereits verschoben hat.

Richtete sich die Codex-Reset-Kampagne gegen Claude? Anfangs nicht

Anfangs nicht. Der Reset-Kalender folgte OpenAIs eigenen Nutzer-Meilensteinen und begann zwei Monate vor Claude Fable 5. Die Kampagne war deshalb nicht als Antwort auf Anthropic geplant. Später wurde der Wettbewerb jedoch ausdrücklich, sowohl in OpenAIs Material zum Sol-Start als auch bei einem Reset während eines öffentlichen Streits mit dem Claude-Team.

Die zeitliche Nähe ist kein Beleg. Anthropic brachte Fable 5 am 9. Juni 2026 heraus [30], und OpenAI lieferte das Ansparen von Resets am 11. Juni aus, zwei Tage später [16]. Niemand entwirft und baut ein Empfehlungsprogramm in 48 Stunden. Anthropic sperrte den Zugang zu Fable 5 am Tag darauf wegen einer US-Exportkontrollanordnung und öffnete ihn am 1. Juli weltweit wieder, wobei das Modell bis zum 7. Juli auf höchstens die Hälfte der wöchentlichen Nutzungslimits in den Plänen Pro, Max, Team und ausgewählten Enterprise-Plänen angerechnet wurde [31]. Die Reset-Kampagne lief vor all dem, währenddessen und danach weiter.

Auf der Sol-Launchseite ist die Wettbewerbsabsicht unverkennbar. Claude Fable 5 taucht namentlich in Tabelle um Tabelle auf, und der Fließtext sucht sich die günstigen Stellen heraus: „GPT-5.6 Sol mit maximalem Reasoning setzt mit 80 einen neuen Bestwert, 2,8 Punkte über Fable 5, bei weniger als der Hälfte der Output-Tokens, weniger als der Hälfte der Zeit und etwa einem Drittel geringeren Kosten“ [18]. Dieselbe Seite enthält eine Zeile, die im Fließtext nie vorkommt: Bei SWE-Bench Pro steht Fable 5 bei 80,0 % gegen 64,6 % für Sol [18]. Sich auszusuchen, welcher Benchmark die Überschrift trägt, ist normales Launch-Verhalten. Leser müssen nur wissen, aus welcher Tabelle die Überschrift stammt.

Der Reset vom 8. August 2026 ist der klarste Fall eines Resets als Wettbewerbsgeste. Ein Nutzer behauptete, Anthropic habe sein Konto gesperrt, weil er Sol über Claude Code laufen ließ. Boris Cherny von Anthropic antwortete, man sperre niemanden dafür, das eigene Harness mit anderen Modellen zu verwenden, und fügte ein spöttisches Jobangebot an Tibo hinzu [32].

Tibo zitierte diesen Beitrag und setzte alle zurück: „Ganz genau, GPT-5.6 Sol ist großartig und lässt sich so ziemlich überall nutzen, auch im CC-Harness. Um das zu feiern, zusammen mit der Tatsache, dass ich nirgendwohin gehe… habe ich die Nutzungslimits für alle zahlenden Nutzer von ChatGPT Work und Codex zurückgesetzt“ [33]. Minuten später nannte ein Nutzer die Geste leer, weil der wöchentliche Reset bereits am Vortag erfolgt war: „Das ist an diesem Punkt nur noch Show“ [34]. Tibo übernahm das Wort: „Am Montag mache ich noch einen Show-Reset“ [35]. Wenn der Verantwortliche der Kampagne selbst die Bezeichnung seines Kritikers übernimmt, ist die Marketingfrage geklärt.

Anthropic hat auf den Vergleich nie öffentlich geantwortet. Am 18. Juli hob das Unternehmen allerdings die wöchentlichen Limits von Claude Code bis zum 19. August um 50 % an, ohne OpenAI ein einziges Mal zu nennen [36].

Welche Belege würden den Streit um Codex-Nutzung entscheiden?

Ein sauberer Wochenvergleich würde den Streit entscheiden: ein Tarif, eine Modellversion, eine Effort-Stufe, ein Repository und dieselben Aufgaben über zwei vollständige Zeiträume, ohne einen Reset dazwischen. Niemand hat diesen Test veröffentlicht. Bis dahin können OpenAIs Kontingent-Zahlen und die Berichte der Nutzer gleichzeitig stimmen, weil sie unterschiedliche Größen beschreiben.

Für mich bleibt der PR-Stunt eine Nebelkerze, unabhängig von OpenAIs Absicht. Codex wuchs in 15 Wochen von drei auf zehn Millionen Nutzer. Auf die lautesten Beschwerden über den Verbrauch folgten kostenlose Auffüllungen statt vergleichbarer Zahlen. Die saubere Datenwoche, die den Streit hätte entscheiden können, gab es nie.

Die praktische Konsequenz ist einfach. Mach einen Screenshot der Verbrauchsanzeige, einschließlich Anzahl und Ablaufdatum deiner Resets, denn diese serverseitige Ansicht ist dein einziger verfügbarer Nachweis. Löse außerdem keinen Banked Reset an einem Tag ein, für den OpenAI einen globalen Reset angekündigt hat. Laut Hilfe-Center verschiebt ein vollständig eingelöster Banked Reset das wöchentliche Reset-Datum auf ungefähr sieben Tage nach dem Einlösen [3]. Wenn du ihn kurz vor einer kostenlosen Auffüllung verbrauchst, gibst du genau die Kontrolle über den Zeitpunkt auf, die ihn wertvoll macht.

Quellen

  1. On Sol using Codex limits faster than expectedX, Thibault Sottiaux · 2026-07-29
  2. Open AI removes banked usage resets from CodexReddit, r/codex · 2026-08-10
  3. Using Codex with your ChatGPT planOpenAI Help Center
  4. ChatGPT Desktop Referral PromotionsOpenAI Help Center
  5. Comment reporting three removed banked resets and a support checkReddit, r/codex · 2026-08-10
  6. Comment reporting an intact banked resetReddit, r/codex · 2026-08-10
  7. Confirmed reset bugReddit, r/codex · 2026-08-10
  8. Comment comparing a globally reset account with a second accountReddit, r/codex · 2026-08-10
  9. Comment reporting both banked resets returning unpromptedReddit, r/codex · 2026-08-10
  10. Banked usage limit reset credits not showing on ChatGPT web or desktopReddit, r/codex · 2026-08-10
  11. Comment quoting an OpenAI support replyReddit, r/codex · 2026-08-10
  12. Increased errors for some ChatGPT usersOpenAI Status · 2026-08-10
  13. On resetting usage limits at three million weekly Codex usersX, Sam Altman · 2026-04-07
  14. On owing users another reset at the current growth paceX, Thibault Sottiaux · 2026-04-09
  15. On four million Codex users and another rate limit resetX, Thibault Sottiaux · 2026-04-21
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  23. On ten million users and another resetX, Thibault Sottiaux · 2026-07-21
  24. SubagentsChatGPT Learn
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  30. Claude Fable 5 and Claude Mythos 5Anthropic · 2026-06-09
  31. Redeploying Claude Fable 5Anthropic · 2026-06-30
  32. On bans, harnesses and hiringX, Boris Cherny · 2026-08-08
  33. On Sol in the Claude Code harness and a reset for all paid usersX, Thibault Sottiaux · 2026-08-08
  34. On the reset being performativeX · 2026-08-08
  35. On doing another performative reset on MondayX, Thibault Sottiaux · 2026-08-08
  36. On keeping Claude Code weekly limits 50% higherX, Claude Developers · 2026-07-18
  37. On restoring the five-hour limit for Plus accountsX, Thibault Sottiaux · 2026-08-25